Germanen


Germanen

Germānen (lat. germani, kelt. Ursprungs, Bedeutung ungewiß), bei den Römern die Bewohner von Germania (s.d.), jetzt Gesamtname aller zum german. Sprachstamm (s. Germanische Sprachen) der indogerman. Völkerfamilie gehörigen Völker: Deutsche, Niederländer, Skandinavier, Engländer (und Nordamerikaner). Die G., ursprünglich in Hochasien einheimisch, stießen zuerst Ende des 2. Jahrh. v. Chr. mit den Römern zusammen, als die Cimbern und Teutonen (s.d.) in das heutige Steiermark eindrangen. Unter Augustus faßten die Römer rechts vom Rhein durch die Feldzüge des Drusus (12-9) festen Fuß, wurden aber nach der Niederlage des Varus im Teutoburger Walde (9 n. Chr.) durch den Cheruskerfürsten Arminius wieder über den Rhein zurückgedrängt und behaupteten jenseit desselben nur die Dekumatischen Äcker (s.d.). Seit dem 3. Jahrh. bildeten sich unter den West-G. aus den Stämmen der Herminonen, Istävonen und Ingävonen neue große Völkerbünde; die Alemannen drangen vom Main bis an den Bodensee vor, die Franken breiteten sich am Main, am mittlern und untern Rhein aus, aus den Markomannen u.a. gingen die Bayern zwischen Lech und der Avarengrenze hervor, an der Weser und untern Elbe tauchten die Sachsen auf; von letztern zogen im 5. Jahrh. Eroberer nach Britannien und gründeten dort german. (angelsächs.) Reiche. Die ganz für sich stehenden Nord-G. in Skandinavien blieben dem Altertum so gut wie unbekannt. Die Ost-G. (Goten, Burgunder, Vandalen etc.), die zum Teil schon im 3. Jahrh. Einfälle ins Röm. Reich gemacht hatten, setzten sich im 4. Jahrh., von den Hunnen gedrängt, in Bewegung (Völkerwanderung) und gründeten auf den Trümmern des Weström. Reichs german. Staaten in Italien, Gallien, Spanien, Nordafrika, gingen aber durch Kriege oder Romanisierung unter. Auch die Franken, die unter den Merowingern die meisten westgerman. Völkerschaften zu dem großen Fränkischen Reich (s.d.) vereinigten und das nördl. Gallien eroberten, wurden dort romanisiert, nur in Deutschland behaupteten sie ihre Nationalität. Erst spät bildeten sich hier die Niederländer als eigene Nation heraus. [Karte: Deutschtum I.] – Vgl. Arnold »Deutsche Urzeit« (3. Aufl. 1881); Kaufmann, »Deutsche Geschichte bis auf Karl d. Gr.« (2 Bde., 1880-81); Dahn, »Geschichte der deutschen Urzeit« (2 Bde., 1883-88); ders. »Die G.« (1905); Wilser (1904); Gutsche und Schultze (2 Bde., 1894-96); Stein (1896).


http://www.zeno.org/Brockhaus-1911. 1911.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Germanen — Germanen, arischer Volksstamm, gehören mit Griechen und Thrako Illyriern, Romanen, Slawen, Letten und Kelten zur westlichen Gruppe der Arier und bewohnen außer dem Deutschen Reich, wo sie die weit überwiegende Hauptmasse der Bevölkerung ausmachen …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Germanen — Germanen, ist bei den Römern u. Griechen der Gesammtname für die in Deutschland (Germania) wohnenden u. nach Gallien hinüber gekommenen Völkerschaften; doch wurde er in dieser Ausdehnung etwa erst seit den Feldzügen Cäsars in Gallien gebraucht.… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Germanen — Germanen, so hießen die alten, den Römern so furchtbaren Deutschen, deren ernsten Charakter und strenge Sitten der röm. Geschichtschreiber Tacitus beschreibt. Zu ihnen zählten sich eine Menge Stämme und Völker, die unter den Namen Friesen,… …   Damen Conversations Lexikon

  • Germanen — Als Germanen wird eine Anzahl von ehemaligen Stämmen in Mitteleuropa und im südlichen Skandinavien bezeichnet, deren ethnische Identität in der Forschung traditionell über die Sprache bestimmt wird. Kennzeichen sind bestimmte Lautwandel gegenüber …   Deutsch Wikipedia

  • Germanen — I Germanen   Die Bezeichnung Germanen wird auf eine Vielzahl von Völkern und Stämmen in Nord und Mitteleuropa, die der indogermanischen Sprachfamilie angehören, angewendet. Der Name, dessen Bedeutung unklar ist, wurde ursprünglich von den Kelten… …   Universal-Lexikon

  • Germanen — Die heutigen Namen sind in Klammern beigefügt. Die Buchstaben und Zahlen zwischen den Linien | D3 | bezeichnen die Quadrate der Karte. I. Britannia.B E, 1 3 Aquae Sulis (Bath)C3 AtrebatesD3 BelgaeCD3 BlatobulgiumC1 Bolerium Prom. (Kap Landsend)B3 …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Germanen — Germanenpl dasisteinWein(o.ä.),vondemschondiealtenGermanensagten:»oWein(o.ä.)!«=dasisteinhervorragenderWein.DiealtenGermanensinddenSchülerndurchTacitusgeläufigalsKennerguterHausmannskost.AuchSpottausdruckaufLateinübersetzungenaltenStils.1930ff …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

  • Germanen: Unterwegs zu höherer Zivilisation —   Die älteste Nachricht über Germanen findet sich in dem um 80 v. Chr. niedergeschriebenen Geschichtswerk des Poseidonios von Apameia. Als Zitat aus dem 30. Buch ist ein Satz über die Essgewohnheiten von Germanen überliefert: Als Hauptmahlzeit… …   Universal-Lexikon

  • Germanen und Römisches Reich —   Schon 113 v. Chr. waren die wohl durch eine Sturmflut aus ihrer Heimat Jütland vertriebenen Kimbern, Teutonen und andere Gruppen in das Gebiet des Römischen Reiches eingedrungen, das damals bis in die südlichen Alpen reichte, und hatten… …   Universal-Lexikon

  • Germanen und Christentum —   Im römischen Germanien gab es in der Zeit vor Konstantin dem Großen schon Christen. Mindestens in Köln gab es auch bereits eine Bischofskirche; der erste nachweisbare Bischof Maternus nahm 313 und 314 an Synoden in Rom und Arles teil. Die von… …   Universal-Lexikon